Kristin Burgert, Projektleiterin der Stadt Rastatt für die Landesgartenschau-Bewerbung, begrüßt die Bürgerinnen und Bürger bei der Informationsveranstaltung.

Informationsveranstaltung mit Talk-Runde

Warum bewirbt sich Rastatt für eine Landesgartenschau 2032, 2034 oder 2036? Bei der städtischen Infoveranstaltung am 30. August in der Reithalle lieferten drei Referenten jede Menge Antworten. Und nach zwei Stunden Präsentation und Diskussion war auch im Publikum Begeisterung fürs Projekt zu spüren. Das lag vor allem am Referenten Richard Arnold. Der Oberbürgermeister aus Schwäbisch Gmünd, Landesgartenschau-Stadt von 2014, schaffte es, höchst anschaulich zu verdeutlichen: „Eine Landesgartenschau ist eine große Chance für Rastatt“.

Lebens- und Erholungsraum für die Zukunft gestalten

Das betonte auch Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch in seiner Begrüßungsrede. Bei der Planung einer Landesgartenschau gehe es nicht um eine Blümchenschau oder eine Seniorenveranstaltung, sondern um Stadtentwicklung. Mit finanzieller Unterstützung des Landes gelte es, den Lebens- und Erholungsraum in Rastatt für die Zukunft zu gestalten – nachhaltig und mit intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Pütsch ermunterte die Zuschauer, die trotz des lauen Sommerabends zahlreich erschienen waren, sich mit Ideen in den Bewerbungsprozess einzubringen. Das von der Stadt beauftragte Landschaftsarchitekturbüro Ukas aus Karlsruhe sei derzeit mit Hochdruck dabei, ein Bewerbungskonzept zu erstellen. Spätestens am 19. Dezember muss das Konzept beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg abgegeben werden. Bis dahin plant die Stadt noch einige Veranstaltungen und Aktionen zur Bürgerbeteiligung. So findet am 24. September ein Bürgerspaziergang übers vorgesehene Gelände statt, und am 12. Oktober eine Bürgerfahrt mit dem Bus nach Schwäbisch-Gmünd.

Schaffung und Erhalt einer grünen Infrastruktur

Erste Ideen für die Planung des etwa 40 Hektar großen Geländes, das Rastatt für die Bewerbung vorsieht, präsentierte Landschaftsarchitektin Elke Ukas. Sie räumte mit dem Vorurteil auf, dass für eine Landesgartenschau „alles umgestülpt und neu gemacht“ werde. Vielmehr stehe im Fokus der Bewerbung, Rastatts einzigartige Naturlandschaften zu stärken, Vorhandenes neu zu entdecken sowie den ökologischen Mehrwert mit sozialem Nutzen zu verbinden. Leitziele des Konzeptes seien die Schaffung und Erhaltung einer dauerhaften grünen Infrastruktur. Als Verknüpfung der barocken Innenstadt mit den Naturerlebnisräumen am Stadtrand soll die Schlossachse als Sichtachse ausgebaut werden. Die Murg, so der Plan, soll mit attraktiven Promenaden eine ganz neue Aufenthaltsqualität erhalten und der Stadtpark mit einem sanierten See deutlich aufgewertet werden. Ein Klimaschutzpark Kolbengarten, ein Landschaftspark Oberwiesen und ein Naturerlebnisraum sind geplant, um die grüne Lunge und eine gute Durchlüftung Rastatts nachhaltig zu sichern. Gleichzeitig sollen sie Biodiversität mit Naherholung verbinden – durch Radwege, Spazierwege und Ruhebänke. Überhaupt ist ein attraktives Radwegekonzept vorgesehen, um den Natur- und Erlebnisraum mit Rastatts „Fischerdörfern“ zu vernetzen. Bestandteil des Konzeptes wird auch das Merzeau-Gelände sein, auf dem neues, innovatives Wohnen entstehen soll.

Tolle Ideen aus Schwäbisch Gmünd

Was in Rastatt noch als Idee reift, ist in Schwäbisch Gmünd bereits umgesetzte Stadtgestaltung. Voller Leidenschaft zeigte OB Richard Arnold anhand von Fotos, wie „seine“ Landesgartenschau 2014 die Stadtentwicklung beflügelt hatte und das heutige Stadtbild mehr als positiv prägt. Er appellierte an die Bürgerschaft, sich intensiv einzubringen. „Ihre Ideen braucht es. Denken Sie das Undenkbare. Denn wenn die Bürger etwas wirklich wollen, dann geht es auch.“ Eine Landesgartenschau, so Arnold, sei zwar ein planerischer Prozess. Viel mehr jedoch sei sie ein emotionales Ereignis. Allen Skeptikern, die finanzielle Belastungen durch eine Landesgartenschau fürchten, entgegnete Arnold: „Wenn man Landesgartenschau-Stadt ist, ist man auf der Überholspur.“ Die finanzielle Förderung erschöpfe sich nicht mit den zugesagten Landesmitteln von fünf Millionen Euro für die eigentliche Veranstaltung. Auch Fördermittel durch Land und Bund oder Stiftungen seien in Schwäbisch Gmünd üppig geflossen für Stadtentwicklungsprojekte, die im Zuge der Landesgartenschau umgesetzt worden seien.

Bürgervorschläge: Mit dem Elektrobähnle bis in die Rheinauen

Noch Fragen? Diese konnten die Bürgerinnen und Bürger bei der Talkrunde loswerden. Kristin Burgert, Leiterin des Fachbereichs Stadt- und Grünplanung, führte diese.

Beim Publikum setzten die leidenschaftlichen Plädoyers der Referenten positive Emotionen frei. So bekannte Gewerbevereinsvorsitzender Thomas Richers, er sehe die Landesgartenschau als „grandiose Chance für Rastatt“ und bot gleich seine Unterstützung an. Hans Peter Faller warb dafür, die Rheinauen in das Konzept zu integrieren, außerdem das Straßentheaterfestival tête-à-tête. Stadträtin Barbara Dürr äußerte sich „erleichtert, dass die Themen Nachhaltigkeit und Naturnähe eine zentrale Rolle in Rastatts Konzept spielen“. Stadtrat Karl-Ludwig Hauns schlug vor, zur umweltfreundlichen Mobilität bei der Landesgartenschau ein „Elektrobähnle“ einzusetzen.

Rastatt habe das Zeug dazu, eine Landesgartenschau auszurichten „und für einen Sommer Hauptstadt des Landes zu sein“, zeigte sich OB Arnold in seinem Schlusswort überzeugt.

Infos zu Rastatts Bewerbung: Fachbereich Stadt- und Grünplanung, Telefon 07222 972-4200, E-Mail landesgartenschau@rastatt.de

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